24. September 2020

Digitale Produktentwicklung als Prozess

Von digitalen Produkten profitiert nahezu jedes Unternehmen. Was Sie bei der Entwicklung beachten müssen und welche Vorteile diese Methodik mit sich bringt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Julia Götz

9 Minuten zum lesen

Viele Unternehmen sehen die Entwicklungen der Digitalisierung als Chance, ihren Kunden neue Produkte anzubieten. Digitale Produkte, die auf Technologien wie AI basieren, gehen auf die Anforderungen der Kunden ganzheitlich ein, um die Bedürfnisse passgenau anzusprechen. Unternehmen können ihre bisherigen Angebote erweitern oder ihr bisheriges Geschäftsmodell vollständig digitalisieren. In diesem Artikel soll allerdings nicht von digitalen Gütern wie eBooks, Webinaren oder Podcasts die Rede sein. Vielmehr geht es um die Entwicklung digitaler Lösungen. Dazu zählen Produkte, die Prozesse vereinfachen und Services digitalisieren in Form von Websites, Apps, Sprachassistenz oder anderer Software.

Was ist der Vorteil der digitalen Produktentwicklung?

Laut der Studie „Digital Product Development“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC ist die größte Herausforderung für Unternehmen das Entwickeln innovativer, kundenzentrierter und personalisierbarer Lösungen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 41 Prozent der Unternehmen digitale Werkzeuge wie KI und Datenanalyse innerhalb der Entwicklungsprozesse einsetzen. Mit diesen Methoden ist es möglich, die Kunden besser zu verstehen, um kundenzentrierte Produkte zu schaffen. Diesen positiven Effekt können Sie mithilfe der ganzheitlichen digitalen Entwicklung verstärken und Ihren Kunden innovative Lösungen bieten, die ihre Bedürfnisse passgenau ansprechen. Beispielsweise schlagen Empfehlungssysteme bei Amazon oder YouTube den Nutzern Inhalte vor, die sie interessieren könnten. Je länger ein User die Plattform nutzt, desto besser wird er verstanden und desto genauer und relevanter werden die Vorschläge.

Der Haupteffekt der digitalen Produktentwicklung ist die Steigerung des Umsatzes durch die gezielte Ansprache der Kundenbedürfnisse. Weitere positive Nebeneffekte, die sich erzielen lassen, sind die Effizienzsteigerung (19 Prozent) sowie die Reduktion der Produktionskosten (13 Prozent) und der Produkteinführungszeit (17 Prozent).

Überblick Vorteile digitaler ProduktentwicklungVorteile die Unternehmen bei digitaler Produktentwicklung erwarten können (Quelle: PwC)

Was sollten Sie bei der digitalen Produktentwicklung beachten?

Bei der digitalen Produktentwicklung kommt es weniger darauf an, viel Budget zu investieren, um gute Ergebnisse zu erzielen. Vielmehr ist es entscheidend, die richtigen Prozesse und Ressourcen einzusetzen. Bei dem Entwickeln digitaler Produkte sollten Sie die folgenden sechs Phasen beachten. Die Grundlage dieses Guides bildet unsere persönliche langjährige Erfahrung als Produktentwickler.

1. Workshop – Digitale Produktstrategie

Zu Beginn des Projektes legen wir während eines Workshops fest, zu welchem Zweck und für welche Zielgruppe Sie das Produkt entwickeln wollen. Zielgruppen können entweder unternehmensintern oder -extern sein. In jedem Fall sollten Sie das Problem der Zielgruppe definieren, welches das Produkt lösen soll. Je nach Zielgruppe kann die Entwicklung des Produktes unterschiedliche Ziele verfolgen. Innerhalb des Unternehmens könnte Ihr Ziel sein, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und so Kosten zu sparen. Bei dem Entwickeln einer digitalen Lösung für eine externe Zielgruppe ist das Ziel meistens viele Anwender zu gewinnen. Dadurch gleichen die Einnahmen die Investitionskosten wieder aus.
Haben Sie die Zielgruppe und das Ziel der digitalen Lösung definiert, ist der nächste Schritt die Projektanforderungen zu konkretisieren. Welche Art von Anwendung sollen die Entwickler erstellen und welche Funktionen müssen sie einbauen? Das Budget für die Entwicklung legen Sie ebenfalls in dieser ersten Projektphase fest.

Folgende Bereiche definieren wir in der ersten Projektphase im Rahmen eines Workshops:

  1. Zielgruppe: wen will ich mit dem Produkt ansprechen?
  2. Ziel: welches unternehmensbezogene Ziel will ich mit dem Produkt erreichen?
  3. Produktzweck: welches Problem der Zielgruppe will ich mit dem Produkt lösen?
  4. Produktanforderungen: welche Anwendungsart und Funktionen soll der Entwickler umsetzen?
  5. Budget: was bin ich bereit für das Innovationsprojekt zu investieren?
  6. Meilensteine und Deadline: wann soll das Produkt bzw. die Produktinkremente fertig sein?

2. Design und UX

Wenn wir die Produktstrategie gemeinsam formuliert haben, kann unser Designteam ein erstes Konzept des Produktes entwerfen. Unsere Designer sind mit den Komplexitäten und Besonderheiten der unterschiedlichen Plattformen iOS, Android und Web vertraut. Beim Designen des Konzeptes orientieren wir uns an der Plattform, für die wir das Produkt später entwickeln. Eine optimale User Experience ist entscheidend für den Erfolg der Anwendung. Um die Benutzeroberfläche testen zu können, erstellen wir einen Klick-Prototyp. Mit diesem Klick-Prototyp lässt sich testen, ob das Produkt das Potenzial hat, das Problem der Zielgruppe zu lösen. Um sicherzustellen, dass die Benutzeroberfläche alle Anforderungen erfüllt, führen wir User Tests durch. Dadurch erkennen wir mögliche Probleme im Design frühzeitig und können erste Verbesserungen vornehmen.

3. Continuous Delivery Strategie

Schon früh während der eigentlichen Entwicklungsphase des digitalen Produktes integrieren wir als Produktentwickler eine Continuous Delivery (CD) Strategie, bei der wir kontinuierlich neue Features hinzufügen. Diese Strategie beinhaltet Techniken, Prozesse und Werkzeuge, mit denen wir die Release-Zyklen verkürzen. Der agile Entwicklungsprozess ermöglicht es uns, nach jedem Sprint neue Features zu veröffentlichen. Damit garantieren wir als Software-Experten neue Versionen und Software-Updates schnell und flexibel auszuliefern. Durch kontinuierliches Testen der Änderungen stellen wir außerdem die Funktionsfähigkeit des Softwareprodukts sicher. Als Product Owner sind Sie fester Bestandteil des Entwicklungsprozesses und sind daher stets über den aktuellen Entwicklungsstand des Produktes informiert.

4. Release Management – Entwicklung und Testing

Vor der Veröffentlichung des Produktes stellen unsere Entwickler sicher, dass alle technischen Bestandteile funktionieren. Sie testen bereits während der Entwicklung, ob alle Software-Funktionen planmäßig auf allen Geräten und in ausreichender Geschwindigkeit laufen.

Um die Geschwindigkeit des Projektes zu maximieren, greifen wir als IT-Experte unter anderem auf die „MAP (Minimum Awesome Product) Methode“ zurück. Dies ist eine Release-Strategie, die die „MVP (Minimum Viable Product) Methode“ um ein paar Feinheiten ergänzt. Ein „MVP“ enthält zu Beginn ausschließlich die Funktionen, die für eine reibungslose Nutzung nötig sind. Sie können sich darunter eine Softwareanwendung vorstellen ohne Formatierung (CSS) mit den nötigsten Funktionen. Der Nachteil dieses Vorgehens ist, dass gestalterische Aspekte vorerst außen vor gelassen werden und der Mehrwert der App oftmals unzureichend vermittelt werden kann. In den letzten Jahren haben sich die Erwartungen der Zielgruppe durch die Smartphone-Nutzung verändert – die Erlebnisse mit den digitalen Anwendungen sind für die Zufriedenheit der Nutzer ausschlaggebend. Für eine ansprechende User-Experience (UX) und damit der Nutzer Usability und Nutzen erkennt, verwenden wir die MAP-Methode bei der digitalen Produktentwicklung. Mithilfe der MAP-Entwicklung können wir die erfolgreiche Einführung in den Markt beschleunigen. Wir entwickeln und releasen das „MAP“ mit den nötigsten Funktionen, um die Lebensfähigkeit und Beständigkeit des Produktes auf dem Markt zu testen. Mithilfe von regelmäßigem Nutzerfeedback können wir das digitale Produkt dann iterativ (schrittweise) erweitern. Hinter diesem Vorgehen steckt die agile Scrum Methode. Sie ermöglicht uns, Anpassungen leichter durchzuführen und die Validierung des Softwareprodukts auf dem Markt sicherzustellen.

Die Herausforderung bei dem Release-Management liegt in dem Beseitigen von Bugs (Fehlern in der Software-Funktionalität) und in der parallelen Weiterentwicklung bzw. dem Release der nächsten Software-Version. Dabei ist insbesondere das agile Projektmanagement unerlässlich, um eine lückenlose Dokumentation und Kommunikation innerhalb des Projektteams und somit einen reibungslosen Entwicklungsprozess zu gewährleisten. Hierfür nutzen wir unter anderem die Atlassian Tools Jira, Bitbucket und Confluence.

Scrum Prozess MVP-EntwicklungScrum-Prozess bei der MVP-Entwicklung

5. Growth Marketing und Analytics

Nachdem wir als App-Anbieter Ihr digitales Produkt gelauncht haben, ist der Prozess der Entwicklung noch nicht zu Ende. Je nachdem, ob Sie eine interne oder externe Zielgruppe ansprechen, müssen Sie das Produkt unterschiedlich auf dem Markt etablieren. Bei Produkten, die Sie in Ihrem Unternehmen intern anwenden, müssen Sie gegebenenfalls Mitarbeiter schulen oder Prozesse in der Firma anpassen. Bei externen Produkten ist Marketing wichtig, um die digitale Lösung unter den Nutzern zu verbreiten. Wenn das Produkt bei seinen Nutzern angekommen ist, ist es wichtig, Daten zu sammeln. Das ermöglicht eine kontinuierliche Auswertung und Verbesserung der digitalen Lösung. Auch bei dieser Projektphase stehen wir Ihnen mit unserer langjährigen Expertise unterstützend zur Seite.

6. Aufbau eines Inhouse-Entwickler-Teams

Sobald das Produkt auf dem Markt eine gewisse Reife erreicht hat, helfen wir Ihnen, in-house ein Produkt-Team aufzubauen. Schon während der Entwicklungsphase geben wir unser Wissen in der Softwareentwicklung und Spitzentechnologien an Sie als Kunde weiter. Als zertifizierte Scrum-Master helfen wir Ihnen, in Ihrem Unternehmen Prozesse zu etablieren, mit denen Ihr Team unabhängig von uns das digitale Produkt weiterentwickeln kann. Dabei stellen wir Ihnen das Entwickler-Team und die nötigen Tools zur Verfügung. Sobald das Inhouse-Team aufgebaut ist, stehen wir Ihnen als IT-Consultant weiterhin beratend zur Seite.

Die wichtigsten Prinzipien

Damit Sie als unser Kunde von der digitalen Produktentwicklung profitieren, haben wir in unseren Entwicklungsprozess wichtige Prinzipien integriert. Die Entwicklung eines „MAP“ kann das gesamte Projekt beschleunigen, indem wir uns vorerst auf die grundlegenden Features konzentrieren. Zusätzliche Funktionen fügen wir nach dem Markteintritt auf Grundlage des Kundenfeedbacks hinzu.
Ein agiles Projektmanagement wie die Scrum-Methode ermöglicht es uns, kontinuierlich Anpassungen an Ihrem Produkt zu machen. Dadurch nähern Sie sich an die Bedürfnisse Ihrer Kunden an. Der gesamte Prozess ist in einzelne Entwicklungsphasen, sogenannte Sprints eingeteilt. Am Ende jedes Sprints steht ein funktionsfähiges Produkt, das Produktinkrement. Durch dieses iterative Vorgehen können Sie in jeder Entwicklungsphase überprüfen, ob die Funktionsweise des Produktes den Nutzerbedürfnissen entspricht. Gegebenenfalls wiederholen und optimieren wir als Produktentwickler einzelne Schritte im nächsten Sprint. Durch Einholen von Kundenfeedback können wir das Produkt schrittweise an die Bedürfnisse Ihrer Kunden anpassen und stellen die Validierung der Software sicher.

Sie haben Fragen zu dem Vorgehen bei der digitalen Produktentwicklung oder möchten Ihr „eigenes digitales Produkt“ entwickeln lassen? Unser Expertenteam steht Ihnen gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns telefonisch +49 711 21723730 oder per Mail hello@bitfactory.io.

Neuste Artikel

Alle Artikel