10. Januar 2020

Mobile Payment – Welche Vorteile birgt das Bezahlen mit oder in Apps?

Der Trend des Bezahlens mit dem Handy ist mit dem Fortschritt der Technik in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Worin der Unterschied zwischen Begriffen wie ‘Mobile Payment ’ oder ‘In-App-Purchases’ liegt und was die Vorteile der Nutzung für Anbieter ist, erfahren Sie hier!

Noelle Moßbrugger

8 Minuten zum lesen

Die Möglichkeiten mit dem Handy zu bezahlen sind vielfältig: Das kontaktloses Bezahlen via NFC (Near Field Communication), der Kauf von digitalen Produkten innerhalb einer App oder die Akquisition eines materiellen Produktes oder eines Services durch eine App – da kann man schnell den Überblick verlieren. Wie funktionieren die Optionen und welche Möglichkeiten eignen sich für Sie als Anbieter?

In-App-Purchases oder In-App-Käufe

In-App-Käufe auf Smartphone

In-App-Purchases sind Käufe von digitalen Inhalten und Verbrauchsgütern innerhalb von Apps. Dazu gehören Premium-Funktionen wie zB. ein Schwert, das Ihnen in einem Spiel mehr Kraft verleiht, virtuelles Geld, das für Käufe verwendet werden kann oder eine werbefreie Version Ihrer App. Die Einkäufe werden über den jeweiligen App Store abgewickelt, wo der Nutzer seine Zahlungsinformationen hinterlegt hat. Apps, die In-App-Käufe anbieten, können meist kostenfrei heruntergeladen werden. Entwickler erhalten dann 70% des Umsatzes aus dem Verkauf dieser Zusatzinhalte. Apple und Google behalten beide eine Provision von 30% ein.

App Icons für In-App-KäufeTypische Apps mit In-App-Käufen

Ein Unterschied machen Apple und Google bei Abonnements, die bereits länger als zwölf Monate bezahlt werden. Die Servicegebühr reduziert sich dann auf 15% für die nachfolgende Zeit und Entwickler verdienen 85% des Umsatzes.

App Icons für In-App-Käufe von Abonnements Beispiele von Apps mit In-App Abonnements

Ausnahme: Spotify

Obwohl Apps wie Spotify oder Amazon auch digitale Produkte bzw. Abonnements verkaufen (wie Musik oder das Streamen von Videoinhalten), wird keine Provision von Apple einbehalten.
Warum?
Der Kauf dieser Premiumfunktionen ist nur außerhalb der Apps möglich. Mit dieser Methode umgehen die Musik/Video-Streaming-Anbieter die Gebühren für In-App-Käufe. In den Apps selbst darf aber keine Verlinkung oder Hinweis zu der Kauf-Website existieren. In der App-Werbung darauf hinzuweisen, ist jedoch erlaubt. Wir haben das gleiche Konzept im Projekt Craftnote umgesetzt.
Für mehr Informationen lesen Sie unsere Case Study.

Verkauf von physischen Waren und Services in Apps

Der Verkauf von materiellen Produkten und Services in Anwendungen fällt im Gegensatz zu In-App-Käufen nicht unter die Gebührenpflicht von Apple oder Google. Waren oder Services können in dem Fall der Verkauf von Kleidung, die Lieferung von Essen oder das Bestellen eines Tickets für den Nahverkehr sein.

App Icons für den Verkauf von physischen Waren Apps mit Verkauf von physischen Waren ode Services

Mobile Payment oder Mobiles Bezahlen

Mobile Payment ist ein Service, der es ermöglicht mit dem Smartphone oder auch der Smartwatch kontaktlos zu bezahlen. Damit ist es möglich an Supermarktkassen, in Hotels oder Restaurants, im Nahverkehr, aber auch in kleineren Shops zu bezahlen. Das Gerät muss in jedem Fall NFC-fähig sein. Mehr über diesen Begriff erfahren Sie in unserem Blogpost über Near Field Communication.
Um Mobile Payment zu nutzen, muss der Nutzer entweder eine Banking-App seiner Bank oder eine Zahlungsapp von Anbietern wie Google oder Apple installieren und verwenden.

Kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone

Google und Apple Pay

Apple Pay für iOS und Google Pay (Send) für Android sind mobile Bezahldienste, sog. Wallets, die das Smartphone mit der Zusatzfunktion eines Geldbeutels ausstatten. Dafür geben Nutzer in den Anwendungen ihre (bisher nur) Kredit- oder Debitkarte an. Mit diesen ist es jetzt möglich lokal mobil zu bezahlen. Beide Dienste werden aber auch stellenweise in Apps oder im Web als Bezahlmethode eingesetzt.

Warum lohnt es sich Zahlungen in/mit Apps anzubieten?

  1. Eine der einfachsten und schnellsten Bezahlmethoden: Es gibt weniger Kaufabbrüche durch den schnelleren Bezahlvorgang
  2. Trend steigt: Die Anzahl der Mobile Payment Nutzer ist in den letzten Jahren stark gestiegen und wird dem Trend zufolge weiter wachsen.
  3. Sicherer als das Bezahlen mit Karte: Im Mobile Payment kommt die sog. Tokenisierung zur Anwendung. Dabei werden die angegebenen Kredit- oder Debitkarteninformationen verschlüsselt und durch Token ersetzt. Dieser ist bei Apple immer, bei Google ab 25€ durch Passwort, Touch oder Face ID geschützt. Da dieser Token nicht die reale Kartennummer ist, ist er nutzlos für Angreifer. Sollte das Smartphone doch einmal gestohlen werden, kann das Bezahlverfahren schnell und einfach deaktiviert werden. Die Karte muss dafür nicht gesperrt werden.
  4. Nutzer von Mobile Payment geben mehr Geld aus: Eine Umfrage von 25.000 Konsumenten in fünf Ländern hat ergeben, dass Nutzer von Mobile Payment bis zu 60% mehr Geld ausgeben. Die Nutzer geben mehr als doppelt so viel in digitalen Kanälen aus und tendieren dazu öfter einkaufen zu gehen. Grund hierfür könnte die wenigen Kaufabbrüche sein (Quelle).
Nutzer von Mobile Payment in Deutschland 2016 bis 2019Nutzer von Mobile Payment von 2016 bis 2019 (Statista 2019)

Wie können Sie nun diese Vorteile nutzen? Shopeigentümer können sich ein NFC-fähiges Terminal zulegen, oder eine eigene App entwerfen in der das Bezahlen von Produkten oder Services möglich ist.
Wie funktioniert aber das Integrieren dieser Bezahlmethoden?

PSP (Payment Service Provider)

Die einfachste Möglichkeit ist es in die Dienste eines PSPs (Zahlungsdienstleister) zu investieren.
Payment Service Provider sind Unternehmen, die Zahlungsverfahren wie beispielsweise VISA, PayPal, Wallets wie Google oder Apple Pay für Onlineshops, Apps und stationäre Geschäfte bereitstellen und die Abwicklung von Kundenzahlungen übernehmen. Für die App-Entwicklung stellen sie Software Development Kits (SDK) zur Verfügung, mit denen Entwickler mobile Point of Sale (PoS) Lösungen in die Apps integrieren können.

Wir haben für euch eine Liste der Top Zahlungsdienstleister zusammengestellt, die mobile Lösungen anbieten. Die Links führen euch direkt zu den relevanten Informationen.

Stripe

Stripe ist ein Payment Service Provider aus San Francisco, der sich durch seine unkomplizierten und individuell anpassbaren Lösungen auszeichnet. Gerade unter Entwicklern ist Stripe ein beliebter Service. Der PSP bietet eine Vielzahl an wichtigen Zahlungsoptionen an, darunter auch Wallets mit Google Pay und Apple Pay. Für iOS und Android hält Stripe eine extra Sparte für mobile Lösungen bereit. Stripe verlangt eine Provision von 1,4% bzw. 2,9% je nach Kartenherkunft und einen Sockelbetrag von 25 Cent. Es fallen keine Einrichtungs- oder Monatsgebühren an. Für Unternehmen mit großen Zahlungsvolumen oder speziellen Geschäftsmodellen bietet der Zahlungsdienstleister individuelle Sonderkonditionen an.
In unserem Projekt Craftnote arbeiten wir mit Stripe zusammen. Dort integrieren wir das Payment Gateway auf der Webseite, um ein Update auf Pro oder Premium Version für die Kunden der App zu ermöglichen. Hier erfahren Sie mehr über das Projekt Craftnote.

Concardis

Concardis ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Eschborn. Der Zahlungsdienstleister hat seinen Ursprung bei klassischen Kartenzahlungssystemen, folgt aber dem Trend des Mobile Payment und bietet unter anderem Apple Pay und Google Pay an. In unseren Projekten der Donation App und Mikes Menu nutzen wir das Angebot Concardis Optipay. Mit dem Kartenlesegerät werden alle gängigen Karten sowie kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone akzeptiert. Kosten sind hierbei einmalig 79€ für das Kartenlesegerät und 0,95% bei Debitkarten sowie 2,60% bei Kreditkarten pro Transaktion.

Adyen

Das niederländische Unternehmen Adyen ist einer der weltweit größten Payment Service Provider. Mit Kunden wie Zalando oder Spotify verfügt der Zahlungsdienstleister über so ziemlich alle beliebten Zahlungsmethoden. Neben E-Commerce Lösungen, bietet Adyen auch spezielle SDKs für mobile Checkouts und für lokales mobile Payment im Store. Adyen verzichtet auf eine Einrichtungsgebühr und berechnet dafür für jede Transaktion eine Bearbeitungs- und Zahlungsmethodengebühr.

Braintree

Braintree wurde 2013 von PayPal akquiriert und wird seitdem als ein ‘PayPal Unternehmen’ geführt. Anders als bei PayPal kann mit Braintree ein individuelles und personalisiertes Checkout designt werden. Der Zahlungsanbieter arbeitet auf den Plattformen Android, iOS und Web und unterstützt neben PayPal und Venmo (nur USA), Kredit- und Debitkarten, Digital Wallets auch lokale Zahlungsmethoden. Die Preise gestalten sich generell mit 1,9% pro Transaktion mit einem Sockelbetrag von 30 Cent. PayPal-Gebühren fallen nicht darunter und sind auf der PayPal-Seite aufgelistet.

Warum lohnt sich Mobiles Bezahlen für Anbieter?

Der Markt des Mobile Payment steigt. Immer mehr Nutzer, vor allem der jungen Generation, lassen traditionelle Bezahlmethoden und Einkäufe außer Acht und greifen auf das Smartphone zurück. Laut einer Umfrage planen sogar 70 % der Deutschen unter 40 in den nächsten fünf Jahren Mobile Payment zu nutzen. Wenn Sie als Anbieter eine junge Zielgruppe ansprechen wollen, sollten Sie eine Integration von mobilen Bezahlsystemen ernsthaft in Betracht ziehen. Das lässt sich je nach Geschäftsmodell auf verschiedene Weisen lösen: Sei es eine Premium-Version Ihrer App, um mit In-App-Käufen Geld zu verdienen, Ihren Kunden kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone zu ermöglichen und damit lange Warteschlangen zu vermeiden oder eine App zu entwickeln, mit der das Vorbestellen und Bezahlen eines Fahrdienstes gewährt wird. Mit dem Angebot der Zahlungsdienstleister wird auch das Integrieren des mobilen Bezahlens einfach gelöst. Eine unkomplizierte, schnelle und moderne Bezahlmöglichkeit, die eine positive Kundenerfahrung bringt führt zu zufriedenen Kunden. Und zufriedene Kunden stehen, wie man weiß, im direkten Zusammenhang mit einem höheren Umsatz und Gewinn.

Umfragenergebnisse zu Mobile Payment 2019 in DeutschlandUmfrage zu Mobile Payment 2019 in Deutschland (PWC Studie)

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