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Irmak Ali - 09. June 2017 - 9 Minuten fürs Lesen


Bislang war es nur möglich durch eine App auf einen Use Case, worauf sich in der Regel eine Anwendung spezialisiert, zuzugreifen. Das könnten bspw. ein Wegweiser zu einer Location oder ein Spiel sein. Wollten die Entwickler diesen Nutzen in einer Website aufgreifen, war der Browser öfters nicht mit den nativen Animationen oder Features der eigentlichen App ausgestattet. Auch Probleme, wie die schlechte Kompatibilität der Seiten im Browser oder die zeitaufwendige Installation der App waren hier Alltag. Am 17. Mai 2016 stellte Google eine einfache, aber smarte Lösung für Entwickler zur Verfügung. Durch die neue App Kategorie Android Instant Apps, welches Google für native Android Anwendungen entwickelte, wird die Nutzung von Apps und Browser jedoch auf ein völlig neues Level gebracht.

Android Instant Apps – Apps nutzen ohne Installation?

Das neue System Android Instant Apps revolutioniert die einfache Verbindung einer App mit der herkömmlichen Website. Dieses ermöglicht dem Nutzer Android Apps direkt zu öffnen, ohne diese vorher zu installieren. Der Vorteil liegt darin, dass das Nutzererlebnis und der Komfort der Funktionen und Eigenschaften der Apps auch ohne Zugriff auf die eigentliche Anwendung gegeben ist. Somit wird nur der Teil der App runtergeladen, den man für die jeweilige Aktion braucht.

Testphase

Bereits Ende 2016 konnten Android Nutzer die Beta-Version der Instant Apps streamen und ohne Installation verwenden. Dazu konnte er bei den gesuchten Apps auf den Apps-Reiter klicken und durch den “Try-Now”-Button die Instant App einer bestimmten Anwendung starten. Nach kurzer Ladezeit öffnete die App den gewöhnlichen Vollbildmodus, welche in einer Spanne von bis zu 10 Minuten genutzt werden konnte. Wollte man diese länger verwenden, musste man entweder den Stream neu starten oder die eigentliche App herunterladen. Da es sich in dieser Zeit nur um eine Testversion handelte, kennzeichnete Google die App mit einem Google Icon am unteren linken Rand. Um wieder zu den Suchergebnissen auf Google zu gelangen, musste man ebenfalls nur auf dieses klicken. In diesem Video sehen Sie wie das ganze in der Praxis aussah.

Aber wie funktioniert das System?

Durch die Url kann der Browser des Users auf die sogenannten Deep Links zugreifen, welches Verknüpfungen sind, die unmittelbar auf Unterseiten einer Website führen, die “tiefer” liegen. Wenn also Google Play eine Anfrage für eine Url bekommt, die zu einer Instant App passt, werden nur die notwendigen Ressourcen für die gestellte Anfrage an das Endgerät übergeben und angezeigt – natürlich falls die App noch nicht installiert ist. Nach der Nutzung kann das System den Code für die jeweilige Funktion wieder löschen. Über die Instant App kann auch die native App herunterladen werden, falls diese doch in einem langfristigen Zeitraum gebraucht wird.

Um eine Android Instant App zu entwickeln, müssen die Funktionen der App in mehrere kleine Teile zerlegt werden. Sollte es nur ein Feature in der Anwendung geben, gibt es natürlich nur einen Teil, der nicht aufgeteilt werden kann. Durch diesen einen oder viele Bausteine, welche auf Englisch APK’s (Android Packages) genannt werden, können dann die gesamten Instant Apps zusammengestellt werden. Jeder dieser kleinen “Pakete” kann somit je nach Anforderung vom Nutzer einzeln heruntergeladen und als Instant App betrachtet werden. Jede dieser Funktionen sollte mindestens einen Einstiegspunkt (entry point) haben, welcher definiert, wo die Benutzerschnittstelle beginnt. Eine Funktion kann mehrere Einstiegspunkte haben, nötig ist jedoch nur einer.

Wie und wo kann ich das Nutzen?

Es gibt jetzt schon zahlreiche Möglichkeiten die Instant Apps geschickt zu nutzen. Wie bereits in der Vorstellung des Systems von Google erläutert, kann dieses in reichlichen Alltagssituationen gebräuchlich gemacht werden: Beispielsweise beim Bezahlen eines Parkplatzes. Jeder kennt die verzwickte Lage: Sie sind in Eile, müssen jedoch noch einen Parkschein für ihr Auto lösen. Selbstverständlich laden wir in solchen Situationen nicht erst noch eine Parking App herunter. Dabei kommen die Instant Apps ins Spiel. Durch NFC (Near Field Communication), eine drahtlose Datenübertragung, kann mit dem Smartphone problemlos bezahlt werden, indem das Handy an das Parkschein Gerät gehalten wird und so die Instant App des Parkplatzes aufpoppt. Auch gibt es die Möglichkeit so die Dauer des Parkens festzulegen und zu verlängern, falls nötig.

Das gleiche Prinzip nur in einer anderen Situation: Das Lösen eines Tickets für öffentliche Verkehrsmittel. Egal ob Bus, Bahn, Zug oder sogar Flugticket. Oft muss dazu die entsprechende App installiert sein. Mit Android Instant Apps ist es kein Problem, die jeweilige Suche bei Google anzufangen und den Kauf über die Instant App abzuschließen.

Auch beim Kauf von Kinokarten oder bei Einsicht in das Programm sind die dazugehörigen Apps notwendig, um auf die high-performance Benutzeroberfläche und alle Funktionen zugreifen zu können. Mit der Android Instant App ist dies nicht mehr der Fall. Angenommen sie möchte einen Film sehen und wissen nicht, was zur Auswahl steht. Auch hier kann beispielsweise im Kino ein gegebener Barcode gescannt werden, womit dann die Instant App mit dem Programm des jeweiligen Kinos auf dem Smartphone aufkommt. Dies ist natürlich auch mit Kinotickets möglich.

Nicht nur privat sondern auch im Unternehmen können Android Instant Apps effektiv genutzt werden. Stichwort In-House Apps: Unternehmen lassen Anwendungen entwickeln, die sie nur intern nutzen, um bspw. ihre Produkte zu verwalten. Diese Apps gibt es natürlich nicht bei Google Play zu kaufen, da sie nur dem Unternehmen für ihr Geschäft dienen sollen. Außerdem ist es hier auch üblich, dass die Mitarbeiter ihre eigenen Endgeräte benutzen dürfen. Um hier die Sicherheit der Unternehmensdaten zu gewährleisten, können beim Mobile Device Management (MDM) auch Instant Apps genutzt werden. User müssen sich hier erst auf einer Website einloggen um danach die Instant App starten zu können. Das bietet dem Unternehmen bessere Transparenz und Kontrolle über den Einsatz von Smartphones am Arbeitsplatz.

Besonders von Vorteil ist das System bei kostenpflichtigen Apps, die man vor dem Kauf testen möchte. Der Demo-Modus kann eine sehr wichtige Rolle bei teureren Apps spielen, da dass die Verkaufszahlen steigern lässt, falls die Qualität der App den Nutzer anspricht.

Verfügbarkeit

Instand Android Apps sind für die neuesten Versionen der Android-Geräte verfügbar. Es unterstützt Android 6.0 (Android API Level 23) in mehr als 40 Ländern. Weitere Expansionen sind geplant. Auch werden anderen Entwicklern die Möglichkeit geboten ihre eigenen Instant Android App zu entwickeln und zu veröffentlichen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Fazit

Durch die immense Geschwindigkeit der Weiterentwicklung der mobilen Internetnutzung, werden sich die Android Instant Apps schnell integrieren. Es steht nicht nur fest, dass Google hier die Verbindung zwischen Browser und Apps geschaffen hat, sondern auch, dass sie unser Leben damit sehr erleichtern können. Auch wenn das System noch in der Anfangsphase der Veröffentlichung steht, gibt es schon zahlreiche Erleichterungen für die Nutzer der Android Instant Apps. Zukünftig werden Zahlungen, egal ob für öffentliche Verkehrsmittel, Lebensmittel, Freizeit oder für die Arbeit durch Instant Apps unkompliziert mit dem Smartphone mit wenigen Klicks geschehen. Auch im Bereich des Gamings und intern in einem Unternehmen bringt das System zahlreichen Nutzen mit sich. Wir sind gespannt auf weitere Neuheiten und Entwicklungen.


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